Table of contents
Share Post

Fachkräfte, Assistenzkräfte und das neue Kita-Gesetz von RLP

Mit Inkrafttreten des neuen Kita-Gesetzes wurde eine dringende Empfehlung seitens des Landes ausgesprochen. Es müssen immer mindestens zwei Fachkräfte zur Betreuung der Kinder in der Kita anwesend sein, von der keine Assistenzkraft (z.B. Kinderpflegerin oder Erziehungshelferin) sein darf. Auf Nachfrage wurde uns gesagt, dass das bisher bereits genauso galt. Das neue Gesetz hätte hier keine Neuerung gebracht.

Die Praxis in vielen Kitas sah allerdings bisher anders aus. Kinderpflegerinnen und Erziehungshelferinnen wurden nicht selten auch in Randzeiten wie Früh- oder Spätdienst gemeinsam mit einer Fachkraft eingesetzt.

Viele Träger haben aufgrund der dringlichen Empfehlung nun restriktiv geregelt, dass Assistenzkräfte nicht als zweite Kraft Randzeiten abdecken dürfen, auch wenn sie das jahrelang vorher getan haben.

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass die Zeiten vorbei sind, als in Kitas eine Kraft allein im Früh- und Spätdienst für eine Kindergruppe verantwortlich war und argumentiert wurde, dass sei ok, weil ja noch beispielsweise Reinigungskräfte anwesend wären. Ältere Erzieher*innen werden sich noch gut an solche Betreuungssituationen erinnern.

Wir betreuen in den meisten Kitas mittlerweile auch Kleinkinder, die der ständigen Aufsicht bedürfen. Fürsorge- und Aufsichtspflicht sind deshalb noch sensible Themen als das früher der Fall war.

Wenn Träger ausnahmslos der dringenden Empfehlung des Landes folgen, führt das allerdings in manchen Kitas zu erheblichen personellen Problemen.

Unseren Fachkräfteverband erreichten in der letzten Zeit Mails und Mitteilungen von Kinderpflegerinnen und Erziehungshelferinnen mit langjähriger Berufserfahrung. Auch Leitungen teilten uns mit, dass es nun in so mancher Kita zu Schwierigkeiten bei der Dienstplangestaltung gibt. Folgende konkrete Probleme wurden uns berichtet:

  • Kitas müssen Öffnungszeiten kürzen, weil nicht genug Fachkräfte da sind, um die Randzeiten abzudecken.
  • Bei Ausfall einer Fachkraft entstehen schnell Engpässe, wenn Assistenzkräfte nicht einspringen dürfen. Notgruppen, Kürzungen der Betreuungszeiten oder Schließungen kommen häufiger vor als bisher
  • Viele Kitas haben vakante Stellen. Wenn die verbleibenden Mitarbeiter*innen nur eingeschränkt eingesetzt werden können, verschärft das den Personalmangel zusätzlich.
  • Aufgrund der Coronasituation weisen Träger ihre Kitas vermehrt an, in festen Gruppen oder Settings zu betreuen. Das erschwert die Dienstplangestaltung zusätzlich und führt zu noch stärkeren Kürzungen der Betreuungszeiten, wenn Assistenzkräfte nicht als zweite Kraft in Randzeiten zur Verfügung stehen.

Betroffene Leitungen und Assistenzkräfte wünschen sich, dass Bildungsministerium und Landesjugendamt mit den Kita-Trägern ihre dringende Empfehlung überdenken und differenziert betrachten. Zum Beispiel spielt es für den Einsatz von Assistenzkräften keine Rolle, ob sie eine langjährige Berufserfahrung vorweisen können.

Mehrfach wurde uns in Gesprächen auch der Wunsch nach einer Nachqualifizierung genannt. Assistenzkräfte können die dreijährige praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin absolvieren. Eine Kraft, die sich dafür entscheidet, muss aber jahrelange massive Gehaltseinbußen in Kauf nehmen, da sie während der Ausbildung von einer ausgebildeten Assistenzkraft zum Lehrling wird.

Es wäre wichtig, gerade in Zeiten eines massiven Fachkräftemangels, für erfahrene Kräfte praktikable Lösungen zu schaffen, damit sie dem Arbeitsfeld Kita erhalten bleiben und sich weiter qualifizieren können.

Zunächst wird die Situation schwierig bleiben. Theoretisch kann ein Träger eine dringende Empfehlung ignorieren, da sie eben kein Befehl oder eine Anweisung ist. In der Praxis werden die allermeisten Träger aber Folge leisten, da sie in der Verantwortung stehen, sollte etwas passieren.

Für Leitungen und Kita -Teams ist es wichtig, konsequent zu handeln und den KiTa-Familien transparent darzulegen, warum und wann es zu Einschränkungen kommt.

Völlig falsch wäre es, den Betrieb wie bisher durch viele und regelmäßige Überstunden der Fachkräfte aufrecht zu erhalten oder prekäre Betreuungssituationen in den Kernzeiten zuzulassen, damit die Randzeiten mit genügend Fachkräften abgedeckt werden.

Betreuungszeiten können nur in dem Umfang geleistet werden, wie Personal zur Verfügung steht. Es ist die Verantwortung des Trägers, für eine auskömmliche Personalisierung zu sorgen. Kann er das nicht, müssen die Betreuungsleistungen angepasst werden.

Leider landen die berechtigten Beschwerden der Eltern über Dinge wie eingeschränkte Betreuungszeiten oder einen Eingewöhnungsstopp oft erst mal in der Kita. Dort gehören sie aber nicht hin und sollten an die richtige Stelle verwiesen werden. Dafür ist es wichtig, Eltern die Situation transparent darzulegen und aufzuzeigen, wer für welche Regelungen verantwortlich ist.

Verantwortliche Betreuung endet immer dort, wo Aufsicht und Fürsorge nicht mehr gewährleistet werden können. Alle anderen Überlegungen sind dem untergeordnet.

SK

Stay in the loop

Subscribe to our free newsletter.

Der KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz begrüßt die Forderung des Landeselternausschusses nach Sonderbetreuungsurlaub für Eltern! Ein solches Instrument würde sicherzustellen, dass die Kinder vorwiegend zu Hause betreut werden können, bis die Infektionszahlen so zurückgehen, dass ein regulärer KiTa-Betrieb wieder zu verantworten ist (Quelle: LEA RLP).

Wir bedanken uns bei allen Eltern, die dem Appell der Regierung folgen und dadurch mithelfen, die Kontakte in den KiTas und damit die Infektionszahlen zu reduzieren. Bis zum 15.Januar befindet sich Deutschland noch im Shutdown. Mindestens so lange sind wir weiterhin auf die Solidarität der Eltern angewiesen, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Wir KiTa-Fachkräfte hoffen auch im Sinne der Kinder und Familien auf gute und praktikable Konzepte, die einen effektiven Infektionsschutz im KiTa-Alltag ermöglichen. 

Durch klare Vorgaben, die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal zu betreuen, effektive Luftfiltergeräte, sowie regelmäßige und anlassbezogene Tests für Personal und Kinder kann eine Betreuung unter Pandemiebedingungen sichergestellt werden. Diese Maßnahmen schränken zwar gegebenenfalls die Öffnungszeiten ein, gewährleisten aber allen Kindern einen kontinuierlichen KiTa-Besuch. Ein Sonderbetreuungsurlaub würde entstehende Engpässe ausgleichen. Den Satz des LEA-Artikels, dass das Kindeswohl über den Bedürfnissen der Erwachsenen steht, unterschreiben wir sofort.

Wenn Eltern, KiTa-Fachkräfte und alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres zur Normalität zurückfinden.

Related Articles

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!