Der Kita-Fachkräfteverband fordert eine öffentliche politische Diskussion darüber, was in unseren Kitas unter den aktuellen Rahmenbedingungen und in Zeiten des Fachkräftemangels konkret leistbar ist.
Am 7.6.2023 stellte Bildungsministerin Hubig Maßnahmen zur besseren Förderung für Grundschulkinder vor. Für rheinland-pfälzische Kita-Kinder setzt sie nach einer vorgezogenen Schulanmeldung mit Sprachstandserhebung auf die alltagsintegrierte Sprachförderung.
In Kitas besteht, anders als in Schulen, ein enger Zusammenhang zwischen der Fachkraft-Kind-Relation und der pädagogischen Qualität. Das Thema frühkindliche Bildung und Förderung lässt sich auf den Satz: „Genügend Fachkräfte sind nicht alles, aber ohne ausreichend Personal ist alles nichts“ herunterbrechen. Lernen findet im Klein- und Kindergartenalter grundsätzlich im Kontext von intensiver Zuwendung und Beziehung statt. Ganz besonders gilt das für den Spracherwerb.
Deshalb weisen Fachleute seit vielen Jahren kontinuierlich auf die personellen Mindestanforderungen hin, die eine gute Kita-Qualität ermöglichen und sichern. Für Kinder unter drei Jahren liegt die empfohlene Mindestpersonalisierung bei 3 Kindern pro Fachkraft, bei Kindern von 3- 6 Jahren ist laut Fachleuten eine Fachkraft für 7,5 Kinder notwendig.
Für Kinder von 2-6 Jahren ergibt sich damit eine Mischkalkulation von 4,9 Kindern pro Fachkraft.
Das Kita-Gesetz von RLP sieht für 2-6 -jährige Kinder eine Fachkraft-Kind-Relation von 10 Kindern für eine Fachkraft vor. Der gesetzliche Anspruch nach SGBVIII, der für jedes Kind eine bedürfnisorientierte Betreuung, gute frühkindliche Bildung und individuelle Förderung vorsieht, soll in RLP also mit der Hälfte des Personals umgesetzt werden, das wissenschaftlich als notwendig angesehen wird, um eine gute Kita-Qualität zu gewährleisten.
Das ist nicht möglich! In unseren Kitas finden Förderung und Bildung punktuell und eingeschränkt statt. Die Kitas sind weit davon entfernt, jedem Kind die Zuwendung, Aufmerksamkeit, Bildung und Förderung zu geben, die Benachteiligung und Entwicklungsverzögerungen ausgleichen und das Potential eines jeden Kindes entfalten können.
Seit Jahren verschlechtern sich laut Studien die Leistungen der Grundschüler*innen, obwohl Kinder immer länger und in jüngerem Alter die Kita besuchen. Wären unsere Kitas hervorragende Bildungseinrichtungen, müssten wir den gegenteiligen Effekt sehen, denn in den ersten Lebensjahren werden die Grundlagen für das weitere Leben gelegt.
Wir appellieren an die Landesregierung, öffentlich zu kommunizieren, was in Kitas konkret geleistet werden kann, wie der Alltag in den Einrichtungen aussieht und wo die Grenzen des Machbaren unter den aktuellen Gegebenheiten liegen.
Mittel- und langfristig sollte das politische Ziel klar sein. Unsere Kinder brauchen kindgerechte Rahmenbedingungen in ihren Kitas, unter denen sie gute Entwicklungschancen haben. Es ist Aufgabe der Politik, auf kommunaler, Landes- und Bundesebene gemeinsam für die notwendigen finanziellen Mittel und Rahmenbedingungen, die eine konkrete Umsetzung ermöglichen, zu sorgen.
Fachliche Grundlagen und Quellen:
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
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Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
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