Beschäftigte im Kita-System, aber auch Eltern und Großeltern oder Menschen, denen frühkindliche Bildung als Fundament des Bildungssystems wichtig ist, interessieren sich für die Zukunft unserer Kitas. Die zukünftige Kita-Politik kann bei der kommenden Landtagswahl für Wähler relevant sein. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem “Bundesnetzwerk Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik e.V.- Regionales Netzwerk Rheinland-Pfalz” Wahlprüfsteine mit konkreten Fragen zur zukünftigen Kita-Politik erstellt und an die für RLP zur Wahl stehenden Parteien gesendet. Wir hoffen auf konkrete Antworten, die wir auch auf unseren Kanälen veröffentlichen werden.

Am 1.Juli 2021 trat das neue Kita-Gesetz von RLP in Kraft. Nach bald fünf Jahren Erprobung in der Kita-Praxis halten wir Anpassungen und Ergänzungen für dringend geboten.
Wie wird die künftige Kita-Politik des Landes aussehen? Wir haben einige Fragen zusammengestellt, und möchten nachhaken, welchen Stellenwert frühkindliche Bildung, Förderung und eine bedarfs- sowie kindgerechte Betreuung für die zur Wahl stehenden Parteien haben. Uns interessiert, wie die konkreten Pläne für ein bedarfs- und kindgerechtes Kita-System in der kommenden Legislaturperiode aussehen.
1. Personalisierung
Die Fachkraft-Kind-Relation in rheinland-pfälzischen Kitas entspricht nicht den fachlichen Empfehlungen. Im aktuellen Bertelsmann-Ländervergleich liegt RLP in Bezug auf Personalschlüssel auf dem letzten Platz der westdeutschen Bundesländer (Siehe Grafik unten).
Das rheinland-pfälzische Kita-Gesetz unterscheidet Personalquoten für U2 und Ü2. Kinder unter drei Jahren sind Kleinkinder mit entsprechendem Betreuungsaufwand. Fachlich gesehen, macht es daher Sinn, Personalquoten für U3 und Ü3 Kinder festzulegen, was in vielen Bundesländern gängige Praxis ist.
- Welche konkreten Pläne hat Ihre Partei, um die Personalschlüssel zu verbessern und sich damit den fachlichen Empfehlungen anzunähern?
- Wie stehen Sie zu der Regelung, Kleinkinder ab zwei Jahren schlechter zu personalisieren als Kinder unter zwei Jahren? Wird Ihre Partei an dieser Regelung etwas ändern?
2. Fachkräftemangel
In den vergangenen Jahren hat Rheinland-Pfalz die Zahl der Ausbildungsplätze an den Fachschulen für Erzieher/Erzieherinnen erhöht und die praxisintegrierte vergütete Form der Ausbildung gestärkt. Trotzdem fehlen weiterhin viele Fachkräfte. Außerdem werden in den nächsten Jahren viele Fachkräfte der sogenannten Baby-Boomer Generation in Rente gehen. Durch den Mangel an Fachkräften sinken die Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtungen. Dadurch entstehen große Problematiken auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungsverlauf der jungen Menschen.
- Wie wollen Sie in den kommenden Jahren genügend gut qualifizierte Fachkräfte für die Kitas gewinnen und sichern?
- Wie ist Ihre Einstellung gegenüber dem prozentualen Anteil von Nichtfachkräften in der Kindertagesbetreuung?
- Wie ist Ihre Einstellung gegenüber der geplanten Veränderung der Ausbildungsform zum Sozialassistenten und Erzieher?
3. Inklusion
Kitas haben den hohen Anspruch zu erfüllen, dass jedes Kind – unabhängig von Geschlecht, ethnischer Herkunft‑, Nationalität, weltanschaulicher und religiöser Zugehörigkeit, Behinderung, sozialer und ökonomischer Situation seiner Familie und seiner individuellen Fähigkeiten – gefördert wird. Das bedeutet demnach, dass jede Kita, was Räumlichkeiten, Ausbildung der Fachkräfte und Ausstattung betrifft, über adäquate Ressourcen verfügen muss, damit allen Kindern Teilhabe ermöglicht wird.
- Wie wird Ihre Partei konkret die Kitas bei der Bewältigung dieser enormen Aufgabe unterstützen und begleiten, bzw. die benötigten personellen und räumlichen Ressourcen in den Einrichtungen zur Verfügung stellen?
- In welcher Weise engagieren Sie sich für das Thema inklusive Bildung und Teilhabe auf Bundes- Lande- und kommunaler Ebene?
- Wie sorgen Sie dafür, dass der Übergang in den Bereich des SGB VIII in den Kommunen und bei den Trägern gut verläuft, bzw. wird es überhaupt ratifiziert?
4. Leitungsdeputate
Das KiTa- Gesetz legt erstmalig ein Mindestniveau für Leitungsdeputate fest, das bei weitem nicht ausreichend ist. Kita-Leitungen haben zu wenig Zeit für die vielfältigen Aufgaben, die sie leisten müssen. In Schulen unterstützen zusätzliche Verwaltungskräfte die Schulleitungen. In Kitas ist das nicht der Fall.
- Welche Lösungen streben Sie an, um das Niveau der Leitungsdeputate anzuheben? Wie wollen Sie langfristig ein angemessenes Niveau nach fachlichen Empfehlungen sichern?
- Wie steht Ihre Partei dazu, im Kita-Gesetz zusätzliche Deputate für Verwaltungskräfte zu verankern, die nicht gleichzeitig das vorhandene Leitungsdeputat reduzieren?
- Wie werden stellvertretende Leitungen unterstützt sich entsprechend ihrer Aufgaben zu qualifizieren und welche zeitlichen Ressourcen würden Sie stellvertretenden Leitungskräften zur Verfügung stellen?
5. Verbindliche Verfügungszeiten für Kita-Fachkräfte
Die Bildungseinrichtung Schule hat für ihre Lehrkräfte konkrete Deputate für mittelbare Arbeitszeiten festgelegt. Für die Bildungseinrichtung Kita gibt es dagegen diesbezüglich keine ausreichend verbindliche Regelung. (siehe TVöD – BT-V – Anlage zu § 56 §3 Beschäftigte im Erziehungsdienst)
- Werden Sie Verfügungszeiten nach fachlichen Empfehlungen zur Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Fachkräfte gesetzlich verankern?
- Werden Sie Verfügungszeiten für sprachliche Bildung und die Anleitung von Quereinsteigenden gesetzlich verankern?
- Wie würden Sie Fortbildungszeiten besser verankern?
6. Räumliche Situation in den Kitas
Die durchgehende Betreuung aller Kinder bringt neue räumliche Anforderungen mit sich. Die fachlichen Mindestempfehlungen fordern, dass pro Kind mindestens 6qm in den päd. genutzten Innenräumen und 10-15 qm im Außengelände zur Verfügung stehen müssen. Daneben sind Pausenräume und Besprechungsräume für das Personal und die Elternarbeit unverzichtbar. Die räumliche Ausstattung vieler Kitas entspricht nicht den fachlich empfohlenen Mindeststandards. (Siehe: „Qualität für alle: Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung“)
- Mit welchen konkreten Maßnahmen wird Ihre Partei Kommunen und Kita-Träger in den kommenden Jahren unterstützen, um Kitas für die ganztägige Betreuung gut auszustatten und entwicklungsförderliche räumliche Bedingungen zu etablieren?
- Wie wird die Fachpraxis als zukünftig Nutzende in die Planung von Kitas mit einbezogen?
7. Aus- Fort- und Weiterbildungen /Fachberatung /Trägerqualität
Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung ist seit vielen Jahren unumstritten. Gleichzeitig kommen alle gesellschaftlichen Herausforderungen in den Einrichtungen an. Neben der an wissenschaftlichen Forderungen ausgerichteten Personal-Kind-Relation sind Fachberatung und Fortbildung für die Erfüllung der Aufgaben unverzichtbar. Auch für Träger wird es zunehmend bedeutsam, sich zu professionalisieren.
- Wie würden Sie das Feld der Fachberatung stärken und standarisieren?
- Die Trägerschaft von Tageseinrichtungen für Kinder ist eine komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe. Kernpunkt der Trägerverantwortung ist die Sicherstellung des Kindeswohls in der Einrichtung. Aktuell ist für die Übernahme dieser betriebserlaubnisrelevanten Aufgabe keine Qualifizierung notwendig. Wie wollen Sie diese Situation verändern?
- Was sind Ihre Vorstellung zur landesweiten, verbindlichen Sicherstellung pädagogischer Qualität in Rheinland-Pfälzischen Kindertageseinrichtungen? (z.B. interne und externe Evaluationen).
- Wie können aus Ihrer Sicht eine größere Transparenz und eine haushälterische Sicherstellung eine gezieltere Verwendung beim Fortbildungsbudget in den Einrichtungen geschaffen werden?
8. Sozialraumbudget
Ein Teil des Sozialraumbudgets wird für BE-relevantes Personal verwendet. Dadurch stehen der Kita-Sozialarbeit weniger Mittel zur Verfügung. Betriebserlaubnisrelevantes Personal sollte nicht zu Lasten des Sozialraumbudgets verwendet werden.
- Wie positioniert sich Ihre Partei zu dieser Problematik?
- Wie finden unterschiedliche Voraussetzungen der Kitas Beachtung bei der BE-Planung? (z.B. Bustransport)
Anhang:

Fachliche Empfehlung zu Personalausstattung und Räumlichkeiten:
Qualität für alle: Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung: https://www.bildungsserver.de/onlineressource.html?onlineressourcen_id=59396
Die Wahlprüfsteine können hier als PDF heruntergeladen werden:
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
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Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
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