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Wir haben uns sehr gefreut, zeitnah einen Termin für ein Online-Gespräch zu bekommen, um mit Politikern der rheinland-pfälzischen Ampel über die Situation und Probleme in unseren Kitas zu sprechen.

Am Gespräch nahmen von Regierungsseite die Bildungspolitiker*innen, Herr Köbler (Grüne), Frau Kraft (Grüne), Herr Teuber (SPD), Herr Weber (FDP) und Herr van Rüschen (FDP) teil. Für den Fachkräfteverband waren Frau Starck-Fürsicht und Frau Theobald dabei. Außerdem war Frau Graeff, die Kreiselternausschussvorsitzende des Rhein-Hunsrück Kreises mit von der Partie.

Wir sprachen darüber, wie Fachkräfte, Eltern und die Regierungsvertreter die aktuelle Lage in den Kitas beurteilen und welche Probleme sie wahrnehmen.

Während im letzten Jahr Regierungsvertreter*innen im Gespräch mit dem Fachkräfteverband betonten, dass die frühkindliche Bildung in RLP bereits gut sei und das neue Gesetz zu weiteren deutlichen qualitativen Verbesserungen führe, war der Gesprächstenor in diesem Jahr ein anderer.

Das neue KiTa-Gesetz ist als Anfang zu betrachten. Hier wurden Rahmenbedingungen gesetzt, die nun auf der einen Seite mit Leben gefüllt und auf der anderen Seite weiter ausgebaut werden sollen und müssen.

Alle waren sich einig, dass die Situation in etlichen Kitas problematisch ist und uns die Probleme auch noch in den kommenden Jahren begleiten werden. Die Coronapandemie und der massive Fachkräftemangel verschärfen die Lage zusätzlich.

Frau Graeff wies eindrücklich darauf hin, wie die angespannte Situation das gesamte System und damit letztendlich die Kinder belastet. Dauergestresste Fachkräfte sind im Kita-Alltag weniger empathisch, zugewandt und bereit, auf Wünsche und Bedürfnisse der Kinder adäquat einzugehen. Nicht selten kommt es zu verletzendem Verhalten gegenüber Kita-Kindern (vgl. Broschüre: GEW).

Diese Problematik konnten die Politiker aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen, denn auch im familiären Kontext wirkt es sich negativ auf Kinder und Familienklima aus, wenn Eltern beruflich und privat gestresst sind.

Gesprächsthema war weiterhin, wer im Kita-System für welche Belange verantwortlich ist. Wir waren uns einig, dass das Zusammenspiel von Träger, Kommune, Kreis und Land an vielen Stellen zu wünschen übriglässt und gerade in Bezug auf finanzielle Verpflichtungen die Verantwortung gern hin und her geschoben wird. Wir brachten die Idee eines runden Tisches ein. Hier könnten alle Ebenen miteinander klären, wie jeder seiner Verantwortung am besten gerecht werden und konkret dazu beitragen kann, die Rahmenbedingungen in unseren Kitas zu verbessern.

Fachkräfteverband und Kreiselternausschussvertretung RHK sehen es als dringend erforderlich an, dass alle Ebenen Einblicke in die Praxis vor Ort erhalten und mit Fachkräften und Elternvertretungen ins Gespräch gehen. Wir brauchen im Kita-Bereich eine partizipative Kultur, die nicht für, sondern mit der Praxis gemeinsam die Rahmenbedingungen gestaltet. Frau Graeff setzt sich deshalb aktuell dafür ein, dass Fachkräfte in den Jugendhilfeausschüssen vertreten sind. In einigen Kreisen und Kommunen ist das bereits der Fall, aber noch lange nicht überall in RLP selbstverständlich.

Wir werden nur Verbesserungen erreichen, wenn jede Verantwortungsebene Probleme angeht, Lösungen erarbeitet und notwendige finanzielle Ressourcen einfordert.

Am Beispiel der Leitungsdeputate machten Kita-Fachkräfteverband und Kreiselternausschussvertretung RHK klar, wie wichtig ein gutes Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen ist. Das Land hat im neuen Gesetz zum ersten Mal ein Zeitkontingent für Leitungsaufgaben festgeschrieben. Das gab es im alten Gesetz nicht und wird deshalb von der Regierung als Fortschritt gesehen. In der Praxis waren die Leitungsdeputate aber in vielen Kitas seit Jahren höher und werden jetzt nicht selten an die Mindestanforderungen des neuen Kita-Gesetzes nach unten angepasst. Hier braucht es den Diskurs auf allen Ebenen, wieviel Zeit für Leitungsaufgaben in der Realität benötigt wird und wie auskömmliche Deputate finanziert werden können.

Frau Starck-Fürsicht berichtete, welchen Herausforderungen Leitungen oft gegenüberstehen, weil kommunale oder regionale Verantwortungsträger nicht gut über Regelungen, Finanzierungen, Zuständigkeiten und Möglichkeiten informiert sind. Leitungen werden im Kreis geschickt, da niemand Auskunft geben kann, sich zuständig fühlt oder verantwortliche Entscheidungen treffen will.

Ein massives Problem für unsere Kitas bildet der Fachkräftemangel. Vielerorts kann aktuell keine verlässliche und damit bedarfsgerechte Kitabetreuung gewährleistet werden. Es kommt zu Kürzungen der Betreuungszeiten oder Aufnahmen und Eingewöhnungen werden verschoben. Wenn Kitas damit kämpfen müssen, Betreuungszeiten aufrechtzuerhalten, leiden Bildung, bedürfnisorientierte Betreuung und Förderung sehr.

Herr Köbler fragte uns zu unserer Meinung bezüglich profilergänzender Kräfte. Frau Theobald gab zu bedenken, dass Leute mit einer guten fachlichen Ausbildung, die ihre berufliche Kompetenz in die Kita mit einbringen, als profilergänzende Kraft sehr schlecht bezahlt werden, was die Arbeit in einer Kita nicht attraktiv macht. Zum anderen wünschen sich Kitas, dass solche Stellen als Projektstellen zusätzlich zum Personalschlüssel etabliert werden. Kinder interessieren sich sehr dafür, handwerkliche Fertigkeiten zu erwerben, neue Einblicke zu erhalten oder künstlerisch tätig zu werden. Innerhalb des Stellenschlüssels wird aber jede Kraft zur unmittelbaren Betreuung und Beaufsichtigung gebraucht.

Damit eine profilergänzende Kraft ihre Profession den Kindern näherbringen kann, braucht sie Raum und Zeit, um mit den Kindern projektorientiert in kleinen Gruppen arbeiten zu können. Das ist im Kita-Alltag unter den aktuellen Rahmenbedingungen leider nur selten möglich. Wird die profilergänzende Kraft auf den Stellenschlüssel angerechnet, bleibt außerdem noch mehr fachliche Arbeit wie beispielsweise Entwicklungsdokumentationen und Elterngespräche an den Erzieher*innen hängen als es bisher bereits der Fall ist.

Die Landesregierung plant im nächsten Jahr, die Reform der Erzieherausbildung anzugehen und eine vergütete, praxisintegrierte Ausbildung, bei der die Auszubildenden von Anfang an auch in die Arbeit vor Ort mit eingebunden sind, zu etablieren. Das begrüßen wir als Verband sehr, denn diese Maßnahme deckt sich mit unseren Forderungen https://kitafachkraefteverband-rlp.de/ziele-und-forderungen/. Wir betonten, dass die Kitas dann auch genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen müssen und Azubis nicht auf den Stellenschlüssel angerechnet werden dürfen. Azubis dürfen außerdem nicht eingesetzt werden, um Personallücken zu stopfen, zum Beispiel im Rahmen des Handlungsplans für Personalausfälle. Azubis sind noch keine Fachkräfte, sondern Lernende und müssen als solche geachtet werden.

Wir danken den Bildungspolitikern der Ampelregierung für das Gespräch und stehen auch weiterhin gern zur Verfügung, um über den Alltag in unseren Einrichtungen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen für eine bessere Kita-Zukunft zu suchen.

SK

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Der KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz begrüßt die Forderung des Landeselternausschusses nach Sonderbetreuungsurlaub für Eltern! Ein solches Instrument würde sicherzustellen, dass die Kinder vorwiegend zu Hause betreut werden können, bis die Infektionszahlen so zurückgehen, dass ein regulärer KiTa-Betrieb wieder zu verantworten ist (Quelle: LEA RLP).

Wir bedanken uns bei allen Eltern, die dem Appell der Regierung folgen und dadurch mithelfen, die Kontakte in den KiTas und damit die Infektionszahlen zu reduzieren. Bis zum 15.Januar befindet sich Deutschland noch im Shutdown. Mindestens so lange sind wir weiterhin auf die Solidarität der Eltern angewiesen, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Wir KiTa-Fachkräfte hoffen auch im Sinne der Kinder und Familien auf gute und praktikable Konzepte, die einen effektiven Infektionsschutz im KiTa-Alltag ermöglichen. 

Durch klare Vorgaben, die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal zu betreuen, effektive Luftfiltergeräte, sowie regelmäßige und anlassbezogene Tests für Personal und Kinder kann eine Betreuung unter Pandemiebedingungen sichergestellt werden. Diese Maßnahmen schränken zwar gegebenenfalls die Öffnungszeiten ein, gewährleisten aber allen Kindern einen kontinuierlichen KiTa-Besuch. Ein Sonderbetreuungsurlaub würde entstehende Engpässe ausgleichen. Den Satz des LEA-Artikels, dass das Kindeswohl über den Bedürfnissen der Erwachsenen steht, unterschreiben wir sofort.

Wenn Eltern, KiTa-Fachkräfte und alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres zur Normalität zurückfinden.

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    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!