Als noch junger Fachkräfteverband weisen wir auf die gesellschaftliche Relevanz unserer Arbeit und die Probleme in den Kitas hin. Immer mal wieder sagt man uns, dass wir nicht das Ganze im Blick haben, sondern lediglich Lobbyarbeit für Kita-Fachkräfte machen.
Das stimmt erst einmal. Der Kita-Fachkräfteverband Rheinland- Pfalz ist ein Berufsverband und vertritt die Interessen derer, die aus dem Arbeitsfeld Kita kommen. Unsere Berufsgruppe wurde bisher politisch wenig wahrgenommen und die zunehmenden Probleme in den Kitas waren viele Jahre lang kaum von öffentlichem Interesse.
Unser Verband will eine Lobby für Kita-Fachkräfte sein.
Wir halten bessere Arbeitsbedingungen für dringend notwendig. Und gleichzeitig gibt es einen entscheidenden Unterschied zu vielen anderen Lobbygruppen, wie zum Beispiel der Autoindustrie. Wie es den Fachkräften in der Kita geht und sie ihren Aufgaben gerecht werden können, hat unmittelbare Auswirkungen auf das Wohlergehen der Kinder und ihrer Familien.
Die aktuellen Umfragen zur Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten in Kitas von GEW und Verdi zeigen bedenkliche Ergebnisse.
Auf eine aktuelle Umfrage des Netzwerks „Kitahelden“ von Andreas Ebenhöh haben über 2000 Kita-Fachkräfte geantwortet. Auch diese Ergebnisse sind erschreckend und machen gleichzeitig deutlich, dass es um weit mehr geht als das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit von Erzieherinnen.
- 91% der Befragten gaben an, dass gelebte Inklusion in Kitas mit dem vorhandenen Personal nicht möglich ist,
- 68 % sagten, dass sie schon Fachkräfte erlebt haben, die gegenüber Kindern gewalttätig wurden.
- 61% der Befragten haben erlebt, dass Kollegen und Kolleginnen Kinder demütigen, ausgrenzen, anbrüllen, diskriminieren, benachteiligen oder respektlos behandeln.
Diese Umfrageergebnisse zeigen sehr deutlich, dass Kinder bei überforderten und dauergestressten Fachkräften schlecht aufgehoben sind. Permanente Unzufriedenheit und häufiger Frust wirken sich auf die Stimmung in den Einrichtungen und die Qualität der Arbeit aus.
Lobbyarbeit für Kita-Fachkräfte ist deshalb Lobbyarbeit für Kinder.
Kinder brauchen für eine gute Entwicklung Erwachsene, die zugewandt, interessiert und geduldig auf ihre Fragen, Wünsche und Ideen eingehen und sie aufgreifen. Kinder sind auf verlässliche Bezugspersonen angewiesen, die Zeit haben, sich über Entwicklungsschritte und Lernerfolge zu freuen und das Kind ermutigen, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Viele Kinder verbringen unter der Woche mehr Zeit in der Kita als zuhause. Deshalb ist es so wichtig, dass die Einrichtungen nicht immer mehr zu Verwahranstalten werden, in denen das Personal ständig am Rande seiner Kräfte und Nerven ist und den Kindern nicht gerecht werden kann.
Lobbyarbeit für Kita-Fachkräfte ist Lobbyarbeit für Eltern.
Eltern wollen sicher sein, dass ihre Kinder in der Kita glücklich sind und gute Entwicklungschancen haben. Sie wünschen sich eine liebevolle und qualitativ hochwertige Bildung und Betreuung. Seit vielen Jahren weisen Fachleute darauf hin, dass die Rahmenbedingungen für die meisten Kinder in unseren Einrichtungen alles andere als kindgerecht sind.
Für den starken quantitativen Ausbau der letzten Jahre wurden Kompromisse auf Kosten der pädagogischen Qualität gemacht. Pädagogisches Arbeiten in Kleingruppen, aber auch Aktionen, Ausflüge, Feste und Feiern sind immer schwieriger zu realisieren, weil das vorhandene Personal kaum ausreicht, um die Aufsicht und Betreuung im Alltag zu stemmen. In Erzieherkreisen macht das Wort von der 3 S Kita (Satt, Sauber und Sicher) die Runde.
Der mittlerweile eklatante Fachkräftemangel verschärft die Situation weiter und führt unter anderem sogar dazu, dass Betreuungszeiten eingeschränkt und Aufnahmen verschoben werden müssen. Eine verlässliche und bedarfsgerechte Kinderbetreuung ist für Eltern nicht gesichert. Das ist ein Problem für Familien, aber auch die Arbeitswelt.

Eltern, Kinder und Fachkräfte
sitzen in einem Boot.
Unsere Gesellschaft hat seit Jahren zugelassen, dass das Kita- Boot immer weiter in unruhiges Fahrwasser treibt und mittlerweile so schlingert und schaukelt, dass es vielen Beteiligten unwohl wird.
Deshalb braucht es dringender als jemals zuvor Einzelpersonen, politisch Engagierte, Institutionen, Verbände, Gewerkschaften und Elternvertretungen, die Lobbyarbeit für Kinder, Eltern und Kita-Fachkräfte machen.
Eine moderne Gesellschaft, mit einem gleichberechtigten Familien- und Erwerbsleben ist auf eine gute Kinderbetreuung und frühkindliche Bildung angewiesen. Kitas sind systemrelevant.
Geld für kindgerechte Kitas sind Investitionen in eine funktionierende Gesellschaft und eine gute, lebenswerte Zukunft.
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
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Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
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Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
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