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Ein Interview mit Frau Dr. Reinecke von der Gemeinschaftspraxis in Gau-Bischofsheim

Die hausärztliche Praxis führt auch Vorsorgeuntersuchungen ab der U4 für Säuglinge und Kinder durch. In der Praxis wurden bisher über 3000 Leute geimpft, darunter auch viele Kinder ab 12 Jahren und seit kurzem ab fünf Jahren.

Frau Reinecke ist Mutter zweier Schulkinder und eines Kita-Kindes.

Frau Dr. Reinecke, wie erleben Sie als Mutter eines Kita-Kindes die aktuelle Omikron-Welle in der Einrichtung?

Ich sehe, dass auf den Erzieherinnen ein großer Druck lastet und viele zusätzliche Aufgaben, durch die sich immer wieder verändernden Corona-Regeln, erledigt werden müssen. Da junge Kinder über den Winter oft erkältet sind, besteht eine ständige Unsicherheit, ob Kinder mit Erkältungssymptomen die Einrichtung besuchen können oder nicht. Eltern und Erzieherinnen sind überfordert, das zu beurteilen. Auf der anderen Seite müssten manche Kinder fast den ganzen Winter zu Hause bleiben, wenn sie nur ohne jegliches Anzeichen einer Erkältung in die Kita dürften, was wiederum der psycho-sozialen Entwicklung sehr schaden würde. Regelmäßige Tests könnten hier mehr Sicherheit geben.


Wie sollte eine sinnvolle Teststrategie in Kitas Ihrer Meinung nach aussehen?

Wir brauchen klare einheitliche Regeln. Es kann doch nicht sein, dass jede Kita oder jeder Träger selbst entscheidet, ob und in welcher Form getestet wird. Wir haben immer noch viele Kitas, in denen überhaupt nicht getestet wird, in anderen testen Eltern auf freiwilliger Basis ihre Kinder zuhause, manche Kitas haben PCR Lollitests angeboten, und es gibt Kitas, die mit Teststellen kooperieren und Schnelltests durchführen. Wie viele Eltern das Testangebot für ihr Kind annehmen, ist von Kita zu Kita sehr unterschiedlich.  Das ist alles sehr unbefriedigend, nicht effektiv und sehr verursacht eine sehr große Verunsicherung unter Eltern und Erziehern. Auch wir Ärzte müssen dann immer an die Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtung verweisen. Die aktuelle Regelung, die Kinder nach einem positiven Fall in der Gruppe am nächsten Tag nur einmal zu testen, ergibt auch nur dann Sinn, wenn eine schnelle Durchseuchung der Bevölkerung gewollt ist. Auch die Omikron- Variante hat eine Inkubationszeit von 3-5 Tagen.


Sie sind Mutter von Schul- und Kita-Kindern. Wie nehmen Sie den unterschiedlichen Umgang mit der Pandemie von Schulen und Kitas wahr?

Virologisch gesehen gibt es keinen Unterschied zwischen einem Grundschul- und einen Kita-Kind. Deshalb müsste es auch eine vergleichbare Teststrategie geben. Warum werden Kita-Kinder, die fast alle ungeimpft sind, nicht verbindlich getestet, wie es in den Schulen der Fall ist? Schulkinder werden dreimal die Woche getestet und bei einem positiven Test an fünf Tagen hintereinander. Kita- Kinder werden in manchen Kitas gar nicht getestet, in anderen nur ein Teil der Kinder auf freiwilliger Basis. Meistens gibt es ein oder zweimal ein Testangebote in der Woche. Ich verstehe auch nicht, warum einige Bundesländer eine Testpflicht in Kitas haben, in Rheinland-Pfalz aber gesagt wird, das sei juristisch nicht möglich.

Dann sind die Regelungen, wann wer wie lange zu Hause in Absonderung verbleiben muss, auch unterschiedlich je nach zuständigem Gesundheitsamt oder Anordnung der jeweiligen Einrichtung. Das verwirrt sehr und übt großen psychischen Druck auf Eltern und Kinder aus. Wir haben ohnehin durch die Pandemie eine große Zunahme psychischer Auffälligkeiten bei Kindern.

Da es an allen Orten an Personal fehlt, können Probleme in diesem Bereich überhaupt nicht aufgefangen werden, was uns dann als Gesellschaft die nächsten Jahre und Jahrzehnte beschäftigen wird.


Wie gehen Sie in Ihrer Praxis mit den vielen verschiedenen Regelungen in Bezug auf Corona um?

Ähnlich wie den Erzieherinnen geht es auch uns Ärzten. Ständig kommen neue Anweisungen und Bestimmungen, die teilweise miteinander konkurrieren. Aktuell sollen PCR Tests bestimmten Gruppen vorbehalten bleiben. Einen Genesenenstatus erhält man aber nur nach einer PCR Testung. Also muss damit doch wieder jedem ein PCR Test zur Verfügung stehen. Wenn dann aufgrund von Wohnort im einen Bundesland und Arbeitsstätte im anderen Bundesland auch noch zwei verschiedene Gesundheitsämter zuständig sind, gibt es zusätzlich teilweise völlig unterschiedliche Bestimmungen.


Omikron ist ansteckender, hat aber mildere Verläufe. Wie krank werden Familien und Kinder? Welche Verläufe sehen Sie in Ihrer Praxis?

In der letzten Zeit machen wir die Erfahrung, dass positive Schnelltests auch einen positiven PCR Test nach sich ziehen. Das war zu Beginn der Pandemie nicht immer der Fall. Schwere Verläufe, bei denen ein Krankenhauaufenthalt nötig wird, sind selten. Kinder haben in aller Regel einen milderen Verlauf. Unter den Erwachsenen, auch wenn sie geimpft und geboostert sind, haben einige Symptome in der Schwere ähnlich wie bei einer echten Influenza. Sie sind zwei bis drei Wochen richtig krank und können nicht zur Arbeit gehen. Säuglinge reagieren oft mit hohem Fieber und starken Erkältungssymptomen. Das ist dann emotional und psychisch für die Familie eine große Belastung, besonders wenn gleichzeitig auch die Eltern erkranken. Im Moment ist es so, dass Personal, Kinder und Eltern von kleinen Kindern in großer Zahl gleichzeitig erkranken. Eine verlässliche Betreuung wird so vielerorts in den nächsten Wochen nicht mehr möglich sein.


Frau Dr. Reinecke, was glauben Sie, wie es mit der Pandemie weitergeht, wenn die Omikron-Welle abgeebbt ist?

Ich hoffe, und halte es für gut möglich, dass wir im Sommer eine entspannte Lage haben und die Durchseuchung der Bevölkerung so weit fortgeschritten ist, dass das Virus endemisch wird und nicht mehr so eine große Rolle in unserem Alltag spielen wird.


Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Claudia Theobald

SK

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Der KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz begrüßt die Forderung des Landeselternausschusses nach Sonderbetreuungsurlaub für Eltern! Ein solches Instrument würde sicherzustellen, dass die Kinder vorwiegend zu Hause betreut werden können, bis die Infektionszahlen so zurückgehen, dass ein regulärer KiTa-Betrieb wieder zu verantworten ist (Quelle: LEA RLP).

Wir bedanken uns bei allen Eltern, die dem Appell der Regierung folgen und dadurch mithelfen, die Kontakte in den KiTas und damit die Infektionszahlen zu reduzieren. Bis zum 15.Januar befindet sich Deutschland noch im Shutdown. Mindestens so lange sind wir weiterhin auf die Solidarität der Eltern angewiesen, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Wir KiTa-Fachkräfte hoffen auch im Sinne der Kinder und Familien auf gute und praktikable Konzepte, die einen effektiven Infektionsschutz im KiTa-Alltag ermöglichen. 

Durch klare Vorgaben, die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal zu betreuen, effektive Luftfiltergeräte, sowie regelmäßige und anlassbezogene Tests für Personal und Kinder kann eine Betreuung unter Pandemiebedingungen sichergestellt werden. Diese Maßnahmen schränken zwar gegebenenfalls die Öffnungszeiten ein, gewährleisten aber allen Kindern einen kontinuierlichen KiTa-Besuch. Ein Sonderbetreuungsurlaub würde entstehende Engpässe ausgleichen. Den Satz des LEA-Artikels, dass das Kindeswohl über den Bedürfnissen der Erwachsenen steht, unterschreiben wir sofort.

Wenn Eltern, KiTa-Fachkräfte und alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres zur Normalität zurückfinden.

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    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

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