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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

in einem Bericht über eine Fachveranstaltung für Kita-Fachkräfte bin ich über Aussagen und Ratschläge einer Referentin gestolpert.

Zitat aus der online-Ausgabe der Heimatzeitung „Blick aktuell“ vom 23.6. 2023  https://www.blick-aktuell.de/Berichte/Kita-Fachkraefte-tauschten-sich-aus-555886.html:

„Bevor wir auf ganzer Linie ausbrennen, bevor wir uns kaum mehr halten können, schicken uns Körper und Geist Signale, die uns die Möglichkeit geben, unsere Ressourcen zu aktivieren und wieder in die Ausgeglichenheit zu bringen“, erklärt … Dabei ging sie darauf ein, welche physischen und auch psychischen Marker das sein könnten, was Stress mit dem eigenen inneren Team zu tun hat und wie man einen für sich stimmigen Weg findet, dem alltäglichen Druck zu begegne.“

Ich habe nicht an diesem Fachtag teilgenommen, hoffe aber sehr, dass es in der Hauptsache um handfeste Lösungen ging, wie der Kita-Alltag in Zeiten des Fachkräftemangels und unzureichender Rahmenbedingungen gestaltet werden muss, damit weder Kinder noch Fachkräfte überfordert sind. Meditation und Achtsamkeitsübungen können hilfreich sein, miese Rahmenbedingungen können aber nicht wegmeditiert werden. Laut genug „Om“ zu rufen, ersetzt keine Lärmschutzdecke und Erzieher*innen sollten eben nicht versuchen, in buddhistischer Gelassenheit unter aufsichtspflichtgefährdenden Bedingungen ihre Arbeit zu tun. Effektive Selbstfürsorge und Kinderschutz beginnen damit, dass ich Grenzen setze und weiß, wo meine Verantwortung als Fachkraft oder Leitung beginnt und wo sie endet. Wir sind dafür verantwortlich, dass es den Kindern in unserer Einrichtung gutgeht. Auch in schwierigen Zeiten ist es unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass Kinder bedürfnisorientiert betreut werden und Bildung und Förderung nicht völlig unter den Tisch fallen. Keine Kita-Fachkraft und keine Leitung trägt dafür Verantwortung, dass der Rechtsanspruch erfüllt wird, alle Kinder auf Wartelisten einen Platz bekommen oder die vereinbarten Öffnungszeiten trotz personeller Unterbesetzung gewährleistet werden.

Träger, Jugendämter und die Politik stehen in der Pflicht, kindgerechte Rahmenbedingungen gesetzlich festzuschreiben und die entsprechenden räumlichen und personellen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, damit Betreuung, Erziehung, Bildung und Förderung in kindgerechter Weise geleistet werden können. Sind diese Verantwortlichen des Kita-Systems dazu nicht in der Lage, weil Geld und Fachkräfte fehlen oder gesetzliche Vorgaben sich nicht an fachlichen bzw. wissenschaftlichen Vorgaben orientieren, ist es ihre Aufgabe, Pläne zu machen und Maßnahmen ergreifen, damit sie den gesetzlichen Verpflichtungen des 2013 verabschiedeten Gesetzanspruchs auf Kita-Betreuung ab einem Jahr nachkommen und die Probleme Schritt für Schritt aus der Welt geschafft werden.

Das Kita-Gesetz von RLP führt in §21 Absatz 5 und 6 aus, dass Betreuungsbedingungen geschaffen werden müssen, die den Kindern verlässliche und stabile Beziehungen zu den pädagogischen Fachkräften ermöglichen, dass der Träger ganzjährig den vollen Personalschlüssel zu gewährleisten hat und Sorge dafür trägt, dass alle Personalausfälle (auch aufgrund von Urlaub oder Fortbildung) vertreten werden.

Fachkräfte und Leitungen sind dagegen gesetzlich verpflichtet, unter allen Umständen die Aufsichtspflicht und das Kindeswohl zu gewährleisten. Immer wieder schreiben uns Kita-Fachkräfte und berichten beispielsweise, dass sie allein im Außengelände mit den Kindern sind, zum Kochen und Spülen in die Küche geschickt werden (und dann noch weniger Leute die Kinder betreuen), dass sie allein in der Gruppe arbeiten, eine viel zu große Kinderzahl beim Mittagessen versorgen und der Mittagsschlaf aufgrund personeller Engpässe ausfällt. Wir bekommen von schlechten räumlichen Bedingungen berichtet und davon, dass Kindern nicht die notwendige Zeit für eine kindgerechte Eingewöhnung gewährt wird. 

Als Verbandsvorsitzende höre ich viele Geschichten von Fachkräften, die nicht mehr wollen und nicht mehr können, die sich ausgeliefert fühlen, aber überzeugt sind, dass sie den Kita-Betrieb auch unter widrigsten Bedingungen am Laufen halten müssen.

Der Kita-Fachkräfteverband möchte aufklären und ermutigen, Grenzen zu setzen. Nein, ihr müsst nicht alles hinnehmen, ertragen, erdulden und erleiden. Ihr seid weder machtlos noch gehorsame Befehlsempfänger, die Anweisungen von oben blind Folge leisten müssen. Die Grenzen der Aufsichtspflicht und wo eine Gefährdung des körperlichen, seelischen und geistigen Kindeswohls im Kita-Alltag beginnt, definieren nicht Ministerium, Jugendamt oder Träger, sondern jede einzelne Kita-Leitung und Fachkraft. In eurem Maßnahmenplan könnt ihr transparent darlegen, wie ihr konkret das Kindeswohl und die Aufsichtspflicht schützt. Maßnahmenpläne sind kein starres Regelwerk, sondern können jeweils an die Gegebenheiten angepasst werden.

Lasst nicht zu, dass ihr und die Kinder in der Kita die Versäumnisse der Kita-Politik der vergangenen Jahre ausbaden. Solange ihr das, was schon lange im Sinne der Kinder unmöglich ist, unter prekären Bedingungen weiter möglich macht, wird sich nichts ändern, geschweige denn verbessern.

Viel Kraft in diesen herausfordernden Zeiten wünscht Euch

Claudia vom Kita-Fachkräfteverband RLP

SK

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Der KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz begrüßt die Forderung des Landeselternausschusses nach Sonderbetreuungsurlaub für Eltern! Ein solches Instrument würde sicherzustellen, dass die Kinder vorwiegend zu Hause betreut werden können, bis die Infektionszahlen so zurückgehen, dass ein regulärer KiTa-Betrieb wieder zu verantworten ist (Quelle: LEA RLP).

Wir bedanken uns bei allen Eltern, die dem Appell der Regierung folgen und dadurch mithelfen, die Kontakte in den KiTas und damit die Infektionszahlen zu reduzieren. Bis zum 15.Januar befindet sich Deutschland noch im Shutdown. Mindestens so lange sind wir weiterhin auf die Solidarität der Eltern angewiesen, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Wir KiTa-Fachkräfte hoffen auch im Sinne der Kinder und Familien auf gute und praktikable Konzepte, die einen effektiven Infektionsschutz im KiTa-Alltag ermöglichen. 

Durch klare Vorgaben, die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal zu betreuen, effektive Luftfiltergeräte, sowie regelmäßige und anlassbezogene Tests für Personal und Kinder kann eine Betreuung unter Pandemiebedingungen sichergestellt werden. Diese Maßnahmen schränken zwar gegebenenfalls die Öffnungszeiten ein, gewährleisten aber allen Kindern einen kontinuierlichen KiTa-Besuch. Ein Sonderbetreuungsurlaub würde entstehende Engpässe ausgleichen. Den Satz des LEA-Artikels, dass das Kindeswohl über den Bedürfnissen der Erwachsenen steht, unterschreiben wir sofort.

Wenn Eltern, KiTa-Fachkräfte und alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres zur Normalität zurückfinden.

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    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!