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Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Hubig,

nach der Sommerpause möchten wir die Fäden wieder aufnehmen und bezüglich Ihrer Äußerungen im letzten Bildungsausschuss nachfragen und nachhaken. Der Kita-Fachkräfteverband RLP interessiert sich sehr für die Kita-Politik der Landesregierung, denn sie hat unmittelbare Auswirkungen auf unsere Arbeit mit den Kindern.

Wir möchten an dieser Stelle dem Landtagspräsidenten Hendrik Hering und der Parlamentsdokumentation ein Lob für die übersichtliche und ansprechende Gestaltung der Webseite des Landtags aussprechen. Dokumente sowie Sitzungen des Plenums und der Ausschüsse sind online abrufbar und bieten damit jederzeit die Möglichkeit, sich mit den Inhalten sachlich und fachlich auseinanderzusetzen.

Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Hubig,

im letzten Bildungsausschuss vor der Sommerpause am 21.7. 2022 (https://rlp.contentflow.de/2022/juli/65-bildungsa/) sprachen Sie davon, dass in der Personalberechnung der Kitas für jeden Platz ein Anteil für Sprachförderung mitberechnet ist. In den Erklärvideos zum neuen Kita-Gesetz (https://kita.rlp.de/de/themen/kita-gesetz/erlaeuternde-kurzvideos-zum-kitag/)wird außerdem der Eindruck erweckt, dass die Personalbemessung den höheren Personalaufwand für die Verdichtung der Aufgaben über die Mittagszeit sowie den wesentlich höheren Betreuungsaufwand für Zweijährige berücksichtigt.

Im Vertrag zum „Gute Kita-Gesetz“ zwischen dem Bund und Rheinland-Pfalz in Anlage 2 Handlungsfeld 2 – Fachkraft-Kind-Schlüssel (Seite7) (https://www.bmfsfj.de/resource/blob/141612/04aee2a704daec414455e3abb513f3cd/gute-kita-vertrag-bund-rheinland-pfalz-data.pdf) werden Schwellenwerte für altersspezifische Fachkraft-Kind-Schlüssel hergeleitet, unterhalb derer die Gefahr besteht, dass die pädagogische Qualität leidet und damit die Bedürfnisse der Kinder nicht mehr angemessen berücksichtigt werden können.

Diese Schwellenwerte sollen den Ländern als Orientierung bei der Gestaltung des Fachkraft-Kind Schlüssels dienen.

Genannt werden für Kinder von

• 0-1 Jahr: eine Fachkraft für 2 Kinder

• 1-3 Jahren: eine Fachkraft für 3-4 Kinder

• 3 Jahren bis Schuleintritt: eine Fachkraft für 9 Kinder

• 2-6 Jahre: Es ergibt sich eine Mischkalkulation von einer Fachkraft für 6 Kinder.

Obwohl Rheinland-Pfalz sich laut Vertrag mit dem Bund einer Verbesserung des Fachkraft-Kind Schlüssels verpflichtet sieht, liegt die Fachkraft-Kind Relation in RLP mit einer Fachkraft für 10 Kinder von 2-6 Jahren weitab des Schwellenwertes von 6 Kindern. Wohlbemerkt beschreibt die Fachkraft-Kind Relation, wie viele Fachkräfte zur unmittelbaren Betreuung der Kinder zur Verfügung stehen.

In der Sitzung des Bildungsausschusses führten Sie aus, dass es zu den alltäglichen Aufgaben jeder Kita-Fachkraft gehört, Entwicklung zu beobachten, Entwicklungsrückstände zu diagnostizieren, Entwicklung zu dokumentieren, passende Bildungsangebote vorzubereiten, bei allen Angeboten und im Alltag eine alltagsintegrierte Sprachförderung zu berücksichtigen und regelmäßig Elterngespräche zu führen. Dazu kommen noch die Kooperation mit und die Berichterstattung gegenüber Institutionen, Ärzten und Therapeuten, Veranstaltungen und Ausflüge sowie die regelmäßige Teilnahme an Teamsitzungen.

Für all diese Aufgaben bleiben einer Vollzeitkraft mit 39 Stunden, wenn sie sieben Stunden täglich direkt am Kind arbeitet, vier Stunden in der Woche. Das sind gerade mal 10,3% ihrer Arbeitszeit. Es ist nicht möglich, in dieser Zeit den Anforderungen, die Sie beschrieben haben und die sich aus den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen von RLP ergeben, gerecht zu werden. Fachkräfte müssen sich daher zusätzlich regelmäßig aus dem Alltagsgeschehen zurückziehen, um zu planen, vorzubereiten und zu dokumentieren. Außerdem muss eine Fachkraft spätestens nach 6 Stunden ihre gesetzlich vorgeschriebene Pause machen, die Kinder sind aber sieben Stunden durchgehend da. Das alles verschlechtert den Personalschlüssel zusätzlich. Gute frühpädagogische Arbeit ist unter diesen Rahmenbedingungen nur sehr eingeschränkt leistbar.

Als fachliche Grundlage für die Berechnung der rheinland-pfälzischen Personalschlüssel verweisen Sie in Ihrer Antwort zu einer kleinen Anfrage (https://dokumente.landtag.rlp.de/landtag/drucksachen/2616-18.pdf) auf die Expertise: „Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung“ In dieser Expertise werden folgende Mindestanforderungen genannt:

0-1 Jahr: eine Fachkraft für 2 Kinder

1-3 Jahre: eine Fachkraft für 3 Kinder

3-6 Jahre: eine Fachkraft für 7,5 Kinder

2-6 Jahre: Es ergibt sich eine Mischkalkulation von einer Fachkraft für 4,9 Kinder.

Diese Zahlen nennt auch der Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung als Mindeststandard einer guten Kita-Qualität.

Bitte erklären Sie dem Kita-Fachkräfteverband deshalb konkret:

• Warum liegen die Fachkraft-Kind Schlüssel im neuen rheinland-pfälzischen Gesetz für die Altersgruppe 2-6 Jahre weit entfernt von den Schwellenwerten des „Guten Kita-Gesetzes?“ (Die Diskrepanz beträgt 40%). Wie soll damit Ihrer Meinung nach eine gute Kita-Qualität mit hochwertiger frühkindlicher Bildung, bedürfnisorientierter Betreuung und individueller Förderung, wie sie in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen von RLP und im gesetzlichen Förderauftrag verankert sind, gewährleistet werden?

• Wie berücksichtigen Sie bei der Personalbemessung (Altersgruppe 2-6 Jahre) konkret die Anteile für Sprachförderung, den größere Betreuungsaufwand für Zweijährige und die Arbeitsverdichtung während der Mittagszeit? Bitte machen Sie Ihre Berechnungen zu den einzelnen Anteilen in Bezug auf den Betreuungsschlüssel von 1:10 transparent.

• Fachleute empfehlen, dass mindestens 25% der Arbeitszeit für mittelbare pädagogische Arbeit zur Verfügung stehen. Auch diese Mindestanforderung findet sich in der Expertise „Qualität für alle,“ auf die Sie sich berufen. Warum findet diese Empfehlung im KiTaG keine Berücksichtigung? Warum finden sich im Gesetz keine verbindlich vorgeschriebenen Verfügungszeiten, obwohl sie eine wichtige Grundlage für gute pädagogische Qualität bilden?

Wir freuen uns über eine schriftliche Antwort, stehen aber auch gern für Gespräche und Diskussionen zu denen im Schreiben genannten Punkten und Fragen zur Verfügung. Da wir Kita-Fachkräfte ermutigen wollen, sich mit Kita-Politik fachlich auseinanderzusetzen und eine grundsätzliche gesellschaftliche Debatte über Kita-Qualität wichtig finden, veröffentlichen wir dieses Schreiben auf den Online-Seiten unseres Verbandes.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Theobald

(Vorsitzende)

SK

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Der KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz begrüßt die Forderung des Landeselternausschusses nach Sonderbetreuungsurlaub für Eltern! Ein solches Instrument würde sicherzustellen, dass die Kinder vorwiegend zu Hause betreut werden können, bis die Infektionszahlen so zurückgehen, dass ein regulärer KiTa-Betrieb wieder zu verantworten ist (Quelle: LEA RLP).

Wir bedanken uns bei allen Eltern, die dem Appell der Regierung folgen und dadurch mithelfen, die Kontakte in den KiTas und damit die Infektionszahlen zu reduzieren. Bis zum 15.Januar befindet sich Deutschland noch im Shutdown. Mindestens so lange sind wir weiterhin auf die Solidarität der Eltern angewiesen, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Wir KiTa-Fachkräfte hoffen auch im Sinne der Kinder und Familien auf gute und praktikable Konzepte, die einen effektiven Infektionsschutz im KiTa-Alltag ermöglichen. 

Durch klare Vorgaben, die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal zu betreuen, effektive Luftfiltergeräte, sowie regelmäßige und anlassbezogene Tests für Personal und Kinder kann eine Betreuung unter Pandemiebedingungen sichergestellt werden. Diese Maßnahmen schränken zwar gegebenenfalls die Öffnungszeiten ein, gewährleisten aber allen Kindern einen kontinuierlichen KiTa-Besuch. Ein Sonderbetreuungsurlaub würde entstehende Engpässe ausgleichen. Den Satz des LEA-Artikels, dass das Kindeswohl über den Bedürfnissen der Erwachsenen steht, unterschreiben wir sofort.

Wenn Eltern, KiTa-Fachkräfte und alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres zur Normalität zurückfinden.

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    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

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