„Die Stimme aus der Praxis!“
Wir sind heute hier, weil wir uns Veränderung wünschen und die schlechten Rahmenbedingungen in den Kitas verbessern wollen! Für diese Rede habe ich mich von einer historischen Persönlichkeit inspirieren lassen, die unermüdlich Missstände benannt und Veränderung zum Besseren gefordert hat. Ich spreche von Martin Luther King und seiner berühmten Rede „I have a dream“: „Ich habe einen Traum.“
Als Friedrich Fröbel 1840 den ersten Kindergarten eröffnete, rückte das Kind langsam in den Mittelpunkt der Überlegungen und die Gesellschaft begann zu fragen: „Was brauchen Kinder, was hilft ihnen in ihrer Entwicklung, und was macht sie glücklich?“ Heute schreiben wir das Jahr 2020. Schon sehr junge Kinder verbringen den Löwenanteil ihrer wachen Zeit in der KiTa. Die wichtigsten Fragen unserer Zeit, 180 Jahre nach der Gründung des ersten Kindergartens, scheinen zu sein: „Haben wir genügend Plätze für unter Dreijährige? Bietet die KiTa Früh- und Spätdienst an? Werden alle Kinder über Mittag betreut? Und was ist mit den Eltern, die Schicht arbeiten?“ Das sind wichtige und berechtigte Fragen, aber wir dürfen nicht das Kind und seine Bedürfnisse aus dem Blick verlieren.
Die Bedürfnisse der Kinder sollen wieder Dreh- und Angelpunkt unserer Überlegungen sein und an erster Stelle stehen!
In unseren KiTas leben zu viele Kinder auf zu wenigen Quadratmetern. Es ist zu voll und zu laut und vor allem können wir Erzieherinnen und Erzieher dem einzelnen Kind nicht gerecht werden, weil der Personalschlüssel so schlecht ist. Deswegen sage ich euch, liebe Kollegen und Kolleginnen, dass ich immer noch einen Traum habe, obwohl wir den Schwierigkeiten von heute und morgen entgegensehen. Es ist ein Traum, der tief in dem Wunsch verwurzelt ist, dass KiTas Lebensräume sind, in denen Kinder gesund und glücklich aufwachsen.
Ich habe einen Traum!
Ich habe einen Traum, dass wir genügend Personal haben, um den kleinen Jonas in den Schlaf zu wiegen, und Zeit zu warten, bis Emma aus dem Mittagsschlaf aufwacht. Genügend Personal, um mit Tom die Welt zu entdecken und sich über Mias erste Sätze zu freuen. Zeit, um Tränen rasch zu trocknen und um miteinander herzlich zu lachen. Zeit für Beziehung.
Ich habe einen Traum!
Ich habe einen Traum, dass wir eines Tages genügend Personal und Räume haben, um jederzeit in kleinen Kindergruppen Fragen stellen und gemeinsam nach Antworten suchen zu können. Räume zum Essen und Schlafen, zum Spielen, mit viel Bewegungsfreiheit und Räume zum Forschen, Experimentieren und sich Ausprobieren.
Ich träume von dem Tag, an dem ich zu keinem Kind sagen muss: Ich habe keine Zeit für dich. Für diesen Traum haben viele von uns schon diskutiert, protestiert und demonstriert. Es hat bis jetzt noch nichts genutzt. Das neue KiTa-Gesetz von Rheinland-Pfalz wurde verabschiedet und unser Traum ist in noch weitere Ferne gerückt.
Sollen wir den Traum von guten Bedingungen in der KiTa nun begraben? Haben wir gekämpft und für immer verloren? Es geht um unsere Kinder und das, was sie Tag für Tag in der KiTa vorfinden. Sie können sich nicht gegen große Gruppen, enge Räume und wenig Personal wehren. Wir Erzieherinnen und Erzieher dagegen haben alle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis auf unserer Seite und wissen, was für einen guten KiTa-Alltag notwendig ist.
Deshalb lasst eure Müdigkeit und Mutlosigkeit hinter euch und kämpft weiter unermüdlich für bessere KiTas!
Lasst uns am alten Begriff des Kindergartens anknüpfen und dieses Bild weiterentwickeln. Wir brauchen KiTas, die Lebensräume, die Orte des Wachsens, des Gedeihens und des Sich-Entfaltens sind. Orte, die kindgerecht sind, weil das Kind im Mittelpunkt und an erster Stelle steht!
Claudia Theobald
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
