Sehr geehrte Frau Ministerin Hubig,
sehr geehrte Damen und Herren der Abteilung frühkindliche Bildung des Bildungsministeriums!
Zu Beginn des neuen Jahres blicken wir zurück, möchten uns bedanken und Ihnen unsere Erwartungen an die Zusammenarbeit im Jahr 2022 mit auf den Weg geben.
Vielen Dank für
- Ihre Bereitschaft, mit uns im Gespräch zu bleiben, obwohl wir unbequeme Themen ansprechen.
- das Lesen und Beantworten unserer Schreiben
- das Videointerview mit Frau Hubig zeitnah nach unserer Verbandsgründung im November 2020
- die Quartalsgespräche mit Frau Roth, die sie für das Ministerium in ihrer Freizeit mit uns geführt hat.
- den Austausch mit Mitarbeiter*innen der Abteilung frühkindliche Bildung bei verschiedenen Veranstaltungen.
- die Einladung nach Mainz für ein langes Gespräch mit dem Präsidenten und einigen Beamtinnen des Landesjugendamtes, das durch Frau Roth begleitet wurde.
- den Vorschlag des Bildungsministeriums, uns in den Fachausschuss 2 des Landesjugendhilfeausschusses zu berufen.
Verantwortliche im Kita-System müssen sich erst daran gewöhnen, dass Kita-Fachkräfte ungeschönt über die Probleme in unseren Kitas sprechen und öffentlich darüber berichten. Das hat unsere Berufsgruppe lange versäumt. Mittlerweile übt sie sich darin, den Akteuren des Kita-Systems realistisch zu schildern, wie es vor Ort aussieht. Im vergangenen Jahr wurde mehr als zuvor über die Lage der Kitas medial berichtet und kommentiert. Das gibt uns Hoffnung.
Als Verband ermutigt uns außerdem sehr, dass Elternvertretungen, Fachkräfteverband, Gewerkschaften und auch Träger mittlerweile die gleichen Probleme benennen und Verbesserungen einfordern.
Ihr Ministerium wird 2022 die Probleme der Kitas nicht lösen können. Das hält niemand für möglich, denn dafür sind sie zu grundlegend und massiv. Trotzdem haben die Kita-Fachkräfte der rheinland-pfälzischen Kitas Erwartungen an Sie.
Wir erwarten, dass das Bildungsministerium die Lage realistisch betrachtet und diese Realität öffentlich kommuniziert. Bitte reden Sie weder die weitab päd. Mindeststandards liegende Qualität der frühkindlichen Bildung noch die prekäre Betreuungssituation, die durch den massiven Fachkräftemangel entsteht, weiterhin schön.
Im Koalitionsvertrag von RLP steht, dass Sie die Erzieherausbildung reformieren und flächendeckend in eine bezahlte, praxisintegrierte Ausbildung umwandeln werden. Starten Sie dieses Projekt umgehend, damit in einigen Jahren wieder ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen.
In Ihrer bunt und fröhlich gestalteten Broschüren zum neuen KiTa-Gesetz schreiben Sie in Bezug auf das Kita-System: „In Rheinland-Pfalz verstehen wir uns als Verantwortungsgemeinschaft. Das bedeutet, dass jeder seinen Teil zum gesamten System beiträgt.“
Wir Kita-Fachkräfte sind auch ein Teil dieses Systems. Diskutieren Sie deshalb bitte auch 2022 mit unserem Kita-Fachkräfteverband über die notwendigen Voraussetzungen für einen kindgerechten Kita-Alltag mit guter pädagogischer Qualität und bedürfnisorientierter Betreuung.
Im Gespräch sagte eine Politikerin: „Politik ist letztendlich Geldverteilung.“ Die Frage nach genügend Geld für kindgerechte Kitas ist damit eine Sache der Prioritäten.
Was kann für unsere Gesellschaft wichtiger sein als Rahmenbedingungen, die unseren Kindern in den so grundlegend prägenden ersten Lebensjahren einen kindgerechten Alltag ermöglichen?
NICHTS!
Davon sind wir als Kita-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz überzeugt.
Damit dieses Bewusstsein in unserer Gesellschaft wächst und zum konkreten Handeln führt, werden wir uns auch 2022 leidenschaftlich einsetzen, fachlich aufklären und aus unserem Alltag in den Einrichtungen öffentlich berichten.
Bitte bleiben Sie als Bildungsministerium, dessen Aufgabe auch die frühkindliche Bildung ist, mit uns im Gespräch.
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Theobald
(Vorsitzende)
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Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
