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Als KiTa-Fachkräfteverband RLP sind wir gut vernetzt. Es ist uns ein großes Anliegen, den neuen Kita-Alltag transparent zu machen, zu diskutieren und zu evaluieren. Viele Erzieher*innen und Leitungen berichten uns über ihre aktuelle Situation. Bis jetzt hören wir vor allem Problematisches. Falls es Einrichtungen gibt, die nun einen entspannteren Alltag mit mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern haben, würden wir uns über Rückmeldungen dazu sehr freuen. Was läuft gut, wo gibt es Probleme und wo muss nachgebessert werden? Berichte dazu sind uns immer willkommen!


Die neuen Vorgaben bedeuten eine große Umstellung, auf die viele Einrichtungen, aber auch Träger und Verwaltung noch nicht gut eingestellt sind. Bis jetzt haben wir von folgenden Problemen bzw. ungelösten Fragen berichtet bekommen:

  • Die Einrichtung hat immer noch keine neue Betriebserlaubnis mit der neuen Personalbemessung. Deshalb können neue Stellen noch nicht ausgeschrieben werden oder Personal weiß nicht, ob es weiter beschäftigt wird.
  • Einrichtungen, denen neues Personal zusteht, können die Stellen aufgrund des allgemeinen Fachkräftemangels nicht besetzen.
  • Es gibt grundsätzlich vakante Stellen. Die Einrichtung kann deshalb bereits nicht die bisherigen Bedarfe abdecken und muss zeitliche und pädagogische Angebote einschränken, statt sie ausweiten zu können.
  • Manche Einrichtungen bekommen Druck von ihrem Träger, nach den neuen Vorgaben zu arbeiten, obwohl das erforderliche Personal noch nicht vorhanden oder die notwendigen räumlichen Gegebenheiten vorhanden sind.
  • Die neue Personalbemessung wird der Mehrbelastung durch die durchgehende Betreuung nicht gerecht, oder Einrichtungen bekommen Personal gekürzt bzw. müssen Personal entlassen. Angebote und liebgewonnene Traditionen wie beispielsweise Sommerfeste oder Ausflüge sind nicht mehr personell zu stemmen. Es gibt noch weniger personellen Spielraum, so dass bei Personalengpässen sehr schnell nicht mehr die vereinbarten Öffnungszeiten gewährleistet werden können. Individuellen Bedürfnissen (z.B. verschiedenen Essens- und Schlafenszeiten kann weniger Rechnung getragen werden).
  • Erforderliche Umbaumaßnahmen sind noch nicht abgeschlossen. Es soll über Monate hinweg improvisiert werden.
  • Noch mehr Räume als bisher müssen multifunktional genutzt werden und schränken den Freiraum der Kinder und die Möglichkeiten der päd. Arbeit ein.
  • Die Einrichtung kann trotz neuer Betriebserlaubnis aus räumlichen Gegebenheiten keine durchgehende siebenstündige Betreuung anbieten und bietet wie bisher ein Vor- und Nachmittagsangebot mit Unterbrechung über Mittag an. Die Eltern sind hierüber enttäuscht, haben sie doch eine mindestens siebenstündige durchgehende Betreuung versprochen bekommen.
  • Die Einrichtung muss die Öffnungszeiten verkürzen, weil zu wenig Kinder in den Randzeiten Betreuungsbedarf haben.
  • Der Betreuungszeitraum ist jetzt klar definiert, spontane Ausnahmen sind für Eltern nicht mehr möglich.
  • Nur ein Teil der Kinder bekommt ein warmes, frisch gekochtes Essen. Aufgrund fehlender Küchenkapazität muss ein Teil der Kinder mit ihrer Brotbox von zuhause vorliebnehmen. Im gleichen Haus gibt es also „Kaltesser und Warmesser“.
  • Integrativen Einrichtungen steht nach dem neuen Gesetz erst mal nur der gleiche Personalschlüssel zu, wie den Regeleinrichtungen. Weitere Unterstützung für die besonderen Bedarfe beeinträchtigter Kinder muss über das Teilhabegesetz beim Träger der öffentlichen Jugendhilfe beantragt werden. In der Praxis vor Ort ist zum Teil noch nicht geklärt, wie jetzt die Personalisierung für die Kinder mit besonderen Bedarfen aussieht. Die Kinder mit Bedarfen sind aber da und können nicht darauf warten, erst irgendwann später adäquat betreut zu werden.
  • Einrichtungen gehen beim Sozialraumbudget leer aus, oder es ist für die einzelnen KiTas nicht klar wie und in welcher Weise das Budget verteilt wird.
  • Verhandlungen freier Träger mit den Kommunen über die künftige Finanzierung der KiTas sind nicht abgeschlossen. Die betroffenen Einrichtungen wissen nicht, wie es langfristig weitergeht.

Als „Stimme aus der Praxis“ wollen wir euch Kolleginnen und Kollegen Mut machen zu klären, wer im KiTa-System an welcher Stelle Verantwortung trägt. Gebt die Verantwortung, die nicht die eure ist, an die richtige Stelle weiter oder zurück.

Unsere Aufgabe als Fachkräfte in den KiTas ist es, die Kinder so zu betreuen, dass immer die Fürsorge- und Aufsichtspflicht gewährleistet ist. Außerdem haben wir auch einen Bildungsauftrag und die Aufgabe, eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern zu leben.

Es liegt in der Verantwortung des Trägers, für diese Aufgaben ausreichend Personal, Zeit und adäquate Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Kann der Träger das nicht, muss es zu Einschränkungen der päd. Arbeit oder auch der Betreuungszeiten kommen. Im Rahmen unserer Verantwortung für die Kinder dürfen wir keine prekären Verhältnisse zulassen.

Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe trägt die Verantwortung, die Betreuungsbedarfe zu decken und die Bedarfsplanung zu machen. Auch der Bau neuer Einrichtungen in ausreichender Zahl liegt in seiner Verantwortung. Jede KiTa kann nur so viele Kinder aufnehmen und so lange betreuen, wie es die personellen und räumlichen Ressourcen zulassen. Die Fachkräfte vor Ort sind nicht dafür verantwortlich, ob alle Kinder einen Platz bekommen und die Wartelisten abgearbeitet sind.

Das Landesjugendamt erteilt den KiTas die Betriebserlaubnis. Seine Aufgabe ist es, mit dem Träger und den pädagogischen Fachkräften vor Ort gemeinsam zu überlegen, wie der Alltag gestaltet werden muss, damit das Kindeswohl gewährleistet ist und die Entwicklung der Kinder altersspezifisch gefördert werden kann. Hier darf und soll fachlich von und mit uns Fachkräften im Sinne einer guten frühkindlichen Pädagogik argumentiert und nach kindgerechten Lösungen gesucht werden.

Die Landesregierung ist dafür verantwortlich, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Einrichtungen ihrem Betreuungs- und Bildungsauftrag gerecht werden und der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft im Sinne der Kinder mit den Eltern nachkommen können. Dafür brauchen die politisch Verantwortlichen die kontinuierliche ehrliche Rückmeldung aus der Praxis.

Das KiTa-System ist komplex. Damit es funktioniert, müssen sich alle Beteiligten über ihre Aufgaben im Klaren sein und Forderungen, die außerhalb ihres Verantwortungsbereich liegen, zurückverweisen.

SK

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Der KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz begrüßt die Forderung des Landeselternausschusses nach Sonderbetreuungsurlaub für Eltern! Ein solches Instrument würde sicherzustellen, dass die Kinder vorwiegend zu Hause betreut werden können, bis die Infektionszahlen so zurückgehen, dass ein regulärer KiTa-Betrieb wieder zu verantworten ist (Quelle: LEA RLP).

Wir bedanken uns bei allen Eltern, die dem Appell der Regierung folgen und dadurch mithelfen, die Kontakte in den KiTas und damit die Infektionszahlen zu reduzieren. Bis zum 15.Januar befindet sich Deutschland noch im Shutdown. Mindestens so lange sind wir weiterhin auf die Solidarität der Eltern angewiesen, die Kinder möglichst zu Hause zu betreuen.

Wir KiTa-Fachkräfte hoffen auch im Sinne der Kinder und Familien auf gute und praktikable Konzepte, die einen effektiven Infektionsschutz im KiTa-Alltag ermöglichen. 

Durch klare Vorgaben, die Kinder in festen Gruppen mit festem Personal zu betreuen, effektive Luftfiltergeräte, sowie regelmäßige und anlassbezogene Tests für Personal und Kinder kann eine Betreuung unter Pandemiebedingungen sichergestellt werden. Diese Maßnahmen schränken zwar gegebenenfalls die Öffnungszeiten ein, gewährleisten aber allen Kindern einen kontinuierlichen KiTa-Besuch. Ein Sonderbetreuungsurlaub würde entstehende Engpässe ausgleichen. Den Satz des LEA-Artikels, dass das Kindeswohl über den Bedürfnissen der Erwachsenen steht, unterschreiben wir sofort.

Wenn Eltern, KiTa-Fachkräfte und alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung an einem Strang ziehen, werden wir die Krise meistern und hoffentlich im Laufe des nächsten Jahres zur Normalität zurückfinden.

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    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!

    Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):

    Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.

    Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.

    Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”

    Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.

    Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.

    Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.

    Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.

    Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!