
Der KiTa-Fachkräfteverband RLP will dieses Bild nicht unwidersprochen hinnehmen und hat eine Mail ans Bundesfamilienministerium geschrieben:
Sehr geehrte Damen und Herren des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
das Titelblatt Ihrer Broschüre zur betrieblichen Kinderbetreuung könnte nicht treffender und plakativer gestaltet sein. Es bringt die Kritik und die Sorgen der KiTa-Fachkräfte über die Bedingungen der frühkindlichen Bildung auf den Punkt.
Nach diesem Bild zu urteilen, ist es das Hauptanliegen von Politik und Wirtschaft, die Kinder unterzubringen, oder eben zu parken, damit Eltern ungehindert ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stehen.
KiTas wären somit vom Staat subventionierte Parkplätze. Die Kinder werden dort abgegeben, damit man gut auf sie aufpasst und sie nach Feierabend unbeschadet wieder abholt.
In den letzten 20 Jahren haben wir einen starken quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung erlebt. Kinder werden immer länger und in jüngerem Alter betreut.
Den Bedürfnissen der Kinder wird dagegen immer weniger Rechnung getragen. Die Mindestanforderungen an gute pädagogische Qualität sind seit vielen Jahren von den Fachleuten definiert. Kein Bundesland erfüllt diese Mindeststandards und 74% aller KiTa-Kinder in Deutschland haben keinen kindgerechten Personalschlüssel in ihrer Einrichtung. (Siehe aktueller Bertelsmann Ländermonitor der frühkindlichen Bildung). Es fehlen Personal und oft auch adäquate Räumlichkeiten, um auf die Kinder eingehen zu können.
In vielen KiTas ist es zu laut, zu eng und zu trubelig. Die Kinder finden wenig Möglichkeiten, ungestört zu spielen, sich zurückzuziehen, zu forschen, zu entdecken, Naturerfahrungen zu machen oder nach Herzenslust zu toben und sich auszuprobieren. Im KiTa-Alltag ist mittlerweile nicht selten nur eine Beaufsichtigung im Sinne von satt, sauber und unverletzt möglich.
Womit wir wieder bei Ihrem Titelbild wären, mit dem Sie das Thema Aufbewahrung perfekt darstellen.
Es geht Ihnen auch um gute frühkindliche Bildung und pädagogische Qualität?
Dann sollten Sie sich als Bundesfamilienministerium dafür einsetzen, dass unsere KiTas räumlich und personell kindgerecht ausgestattet werden.
Die entstehenden Kosten sind Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft. Nichts ist so grundlegend für die Entwicklung eines Menschen, wie die ersten Lebensjahre. Die Bildungsbiografie beginnt nicht erst in der Schule. Darüber sollten Sie auch mit den Betrieben sprechen.
Wie wäre es mit einer weiteren Broschüre, die Grundlagen der Entwicklungspsychologie, sowie die Bedürfnisse der Kinder im Klein- und Kindergartenalter in den Mittelpunkt stellt? Das wäre auch ganz im Sinne der Kinderrechte, die es zwar noch nicht ins Grundgesetz geschafft haben, aber von der Bundesregierung bereits 1992 (also im letzten Jahrtausend 😉) ratifiziert wurden.
Damit aus KiTa-Kindern engagierte Arbeitnehmer*innen und Unternehmer*innen werden, die den Wohlstand unseres Landes in Zukunft sichern, müssen sie eine qualitativ gute Betreuung und Bildung erfahren.
KiTas dürfen keine „Kinderparkplätze“ sein, denn wie sagte schon John. F. Kennedy: „Es gibt nur eins was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“
Mit freundlichen Grüßen
Claudia Theobald
(Vorsitzende des KiTa-Fachkräfteverband Rheinland-Pfalz)
Related Articles
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
Der nachfolgende Text stammt von unserem Verbandsmitglied Manuel Hein, Initiator der erfolgreichen Petition “Kein Regelbetrieb in KiTas” (hier abrufbar):
Noch immer haben wir keine Reaktion der rheinland-pfälzischen Landesregierung. Wir ErzieherInnen sind zutiefst enttäuscht und fühlen uns alleine gelassen. Die Anzahl der Unterschriften (bundesweit sogar über 13.000) sollten verdeutlichen, dass es viele Menschen gibt, die über die derzeitige Lage besorgt sind.
Am 18.12.2020 wurde unsere Petition „Kein Regelbetrieb in KiTas“ an den Petitionsausschuss in Rheinland-Pfalz gesendet, des Weiteren wurde Sie den Fraktionen zugesandt. Die Plattform OpenPetition hat dann noch eine persönliche Stellungnahme bei den einzelnen Abgeordneten angefragt.
Gestern am 21.12.2020 fand eine Videokonferenz des Ausschusses für Bildung statt. Frau Anke Beilstein kritisierte das Vorgehen von Frau Dr. Hubigs Ministerium nicht nur im Bereich der Schulen, sondern auch der Kindertagesstätten mit deutlichen Worten. Leider prallte die berechtigte Kritik an Frau Dr. Hubig ab. Als es um den Regelbetrieb in den KiTas ging, sagte Frau Dr. Hubig: „(…) gut und richtig, dass wir es so gemacht haben.”
Wie es jetzt gemacht wird, ist aber keineswegs richtig, das zeigen alleine schon die neuen Erhebungen der AOK. Dort wird deutlich, dass ErzieherInnen die Berufsgruppe mit den meisten coronabedingten Arbeitsausfällen sind.
Mittlerweile sollte die Petition auch dem Bildungsministerium bekannt sein, trotzdem wurde sie während des Ausschusses nicht einmal erwähnt, obwohl das Thema schon eine große Medienpräsenz hat. Einzelne Abgeordnete der Opposition haben mittlerweile reagiert und den Forderungen oder zumindest einer Anhörung zugestimmt, leider reagiert niemand aus der derzeitigen Ampelregierung. Ist dies eine gewollte Verschleppungstaktik bis zum nächsten Treffen am 12.01.21? Es scheint in jedem Fall so.
Wir ErzieherInnen sind uns unserer Aufgabe und Notwendigkeit im System bewusst. Allerdings ist es auch unsere Aufgabe die Kinder zu schützen, denn auch bei Kindern gibt es schwere Krankheitsverläufe in Zusammenhang mit dem Coronavirus.
Familien, die dringend eine Notbetreuung brauchen, haben die Fachkräfte vor Ort im Blick und wurden auch in der Vergangenheit nicht alleine gelassen.
Reagieren Sie bitte endlich auf unsere Forderungen: KiTas und Familien brauchen Planungssicherheit!
